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Ein Film von Claude Lanzmann (TSAHAL (2 DVD), Sobibor, 14. Oktober 1943 / Ein Lebender geht vorbei, Claude Lanzmann – Gesamtausgabe, Warum Israel (2 DVD), Der Karski-Bericht, SHOAH Vorzugsausgabe)
Das epochale filmische Holocaust-Mahnmal in unserer ARTE EDITION
SHOAH (Studienausgabe)
ISBN: 978-3-89848-985-0
Best. Nr.: 985
Preis: € 24,90
EAN: 978-3-89848-985-0
 
Der französische Filmemacher Claude Lanzmann legte Mitte der 80er Jahre mit SHOAH eine der radikalsten und umfassendsten Filmarbeiten über die Vernichtung des europäischen Judentums im Nationalsozialismus vor. 12 Jahre Arbeit, 350 Stunden Material, 9 1/2 Stunden Film gegen das Vergessen.

Dabei verzichtet dieses epische Großprojekt auf Musik, auch auf jegliche Form des Kommentars und vor allem auf historisches Archivmaterial – auf die Bilder von Massengräbern, Gaskammern, von ausgemergelten Körpern. Im Mittelpunkt stehen nicht die Dokumente der Vergangenheit, sondern die Gegenwärtigkeit des Erinnerns. Lanzmann besuchte die Orte der Vernichtung, die ›Todesfabriken‹ Chelmno, Belzec, Sobibor, Treblinka, Auschwitz und fand Orte vor, über die Gras gewachsen war. Daher die Insistenz, mit der er in Polen, in Israel, in den USA, in Deutschland letzte Augenzeugen der Katastrophe – seltene Überlebende der »Sonderkommandos«, Zuschauer und auch NS-Täter – ausfindig machte und zu Deportation und Lageralltag befragte.

Das Erlebte aber drängt mit aller Kraft ins Vergessen. Es bedurfte eines hohen, psychologisch geschulten Aufwands und einer ausgefeilten Fragetechnik, um die Befragten zum Sprechen zu bringen und ihnen zu entlocken, was nicht bewältigt werden kann. Ohne chronologische Anordnung und bewusst fragmentarisch präsentiert, ergeben die Interviews ein subtil gewobenes Geflecht ineinander verschränkter Perspektiven auf das Unbegreifliche.

40 Jahre nach Kriegsende fertig gestellt, erregte der Film Aufsehen und Bewunderung, lief auf etlichen Festivals, war mehrfach im Fernsehen zu sehen, in den 90er Jahren auf VHS erhältlich – und ist seitdem in Deutschland nicht mehr greifbar. Höchste Zeit, dieses Monument historischer Aufklärung jenseits von Guido Knopp und Steven Spielberg in Deutschland auf DVD zugänglich zu machen.




DIE BEFRAGTEN (in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Film):
Simon Srebnik, auch Shimon Srebrnik (Überlebender der zweiten Vernichtungsphase von Chelmno/Kulmhof) ▪ Michael Podchlebnik, auch Mordechai Podchlebnik (Überlebender der ersten Vernichtungsphase von Chelmno/Kulmhof) ▪ Hanna Zaidl (Tochter von Motke Zaidl) ▪ Motke Zaidl (Überlebender von Wilna/Ponar) ▪ Itzhak Dugin (Überlebender von Wilna/Ponar) ▪ Jan Piwonski (Einwohner von Sobibor, Hilfsweichensteller) ▪ Richard Glazar (Überlebender von Treblinka) ▪ Paula Biren (Überlebende des Ghettos Lodz; Überlebende von Auschwitz) ▪ Pana Pietyra (Einwohnerin von Auschwitz) ▪ Pan Filipowicz (Bewohner von Wlodawa, Zeuge der Deportation der Juden von Wlodawa) ▪ Pan Falborski (Einwohner von Kolo bei Chelmno/Kulmhof, Kfz-Mechaniker) ▪ Abraham Bomba (Friseur in der Gaskammer von Treblinka) ▪ Czeslaw Borowi (Polnischer Bauer aus Treblinka) ▪ Henrik Gawkowski (Polnischer Lokführer in Treblinka) ▪ Rudolf Vrba (Überlebender von Auschwitz, Mitglied der Widerstandsbewegung) ▪ Inge Deutschkron (Deutsche Jüdin; lebte während des gesamten Krieges in Verstecken in Berlin) ▪ Franz Suchomel (SS-Unterscharführer; ab August 1942 Wächter in Treblinka) ▪ Filip Müller (Überlebender der fünf Liquidierungen des »Sonderkommandos« von Auschwitz und Birkenau) ▪ Josef Oberhauser (ehem. SS-Offizier, Fahrer von Globocnik, des Leiters der Aktion Reinhard(t)) ▪ Alfred Spieß (Oberstaatsanwalt, Vertreter der Anklage in beiden Treblinka-Prozessen) ▪ Raul Hilberg (Historiker und bedeutender Holocaust-Forscher) ▪ Franz Schalling (Mitglied der Schutzpolizei Chelmno/Kulmhof – »Schloßkommando«) ▪ Martha Michelsohn (Ehefrau des Nazi-Lehrers von Chelmno/Kulmhof) ▪ Moshe Mordo (Überlebender von Auschwitz) ▪ Armando Aaron (Vorstand der jüdischen Gemeinde von Korfu; Überlebender von Auschwitz) ▪ Walter Stier (ehem. NSDAP-Mitglied und hoher Beamter der Reichsbahn – Generaldirektion der Ostbahn) ▪ Ruth Elias (Überlebende des tschechischen Familienlagers in Auschwitz-Birkenau) ▪ Jan Karski (Legendärer Kurier der polnischen Exilregierung) ▪ Franz Grassler (Stellvertreter des Nazi-Kommisars Auerswald für das Warschauer Ghetto) ▪ Gertrude Schneider (mit ihrer Mutter Charlotte Hirschhorn; Überlebende des Rigaer Ghettos) ▪ Yitzhak Zuckerman (Überlebender des Warschauer Ghettos, Zweiter Befehlshaber der Jüdischen Kampforganisation) ▪ Simha Rotem (Überlebender des Warschauer Ghettos, Mitglied der Jüdischen Kampforganisation)


שואה – Shoah, Schoah, Shoa, Schoa. Hebräisch für: Abgrund, Vernichtung, Dunkelheit, große Katastrophe, Unheil, Untergang – inzwischen auch Synonym für die Massenvernichtung des europäischen Judentums im Nationalsozialismus. Der Begriff wird dem in den USA – auch medial (man denke an die gleichnamige TV-Serie aus den 70ern um die Familie Weiss) – geprägten Begriff des ›Holocaust‹ zunehmend vorgezogen, dessen griechisch-römische Etymologie (gr. holokauston bzw. lat. holocaustum = ›Brandopfer‹)problematische Nähen zu religiösen Opferriten herstellt. Vom Unerhörten sich einen Begriff zu machen, kann aber wohl abschließend nicht gelingen, und so bleibt auch ›Shoah‹ als Begriff, vor allem in seinen Anklängen an Naturkatastrophen, überaus kontrovers.

DVD-Ausstattung:
4 x DVD 5 PAL, codefree - Bild: 4:3/Ton: Dolby Digital 1.0
Mehrsprachige OF, UT in: D, F, E, S

ausführliches Booklet als pdf auf DVD 4



 



Regie: Claude Lanzmann
Kamera: Dominique Chapuis, Jimmy Glasberg, William Lubchansky
Schnitt: Ziva Postec, Anna Ruiz
Produktion: Les Films Aleph, Historia Films, WDR
Produktions-Land+Jahr: Frankreich, 1985
Ton: Bernard Aubouy, Michel Vionnet

4 x DVD5, Farbe, 566 Min., mehrsprachige OF, UT in: Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch

 



»Das Filmereignis des Jahrhunderts!«
- Washington Post

»Ich halte SHOAH für die ausnahmslos beste Dokumentation zeitgenössischer Geschichte und bei weitem für den besten Film, den ich je über den Holocaust gesehen habe.«
- Marcel Ophüls

»Der Film hat nichts von seiner Kraft verloren. Er hat sogar an Bedeutung gewonnen, weil er eine andere Position im Umgang mit Zeitgeschichte einnimmt als sie heute gängig ist. Die Ästhetik der Fernsehdokumentationen aus der Redaktion Guido Knopps wirkt diesem Film gegenüber ebenso verlogen und oberflächlich wie die möglichst genauen historischen Rekonstruktionen in Spielfilmen wie „Operation Walküre“ und „Der Untergang“. Es kommt nicht darauf, an wo die Uniform eines Obersturmbannführers Falten warf. Sondern darauf, was die Erlebnisse in den Menschen auslösten.« WDR 3 Resonanzen

»Kein anderer Film offenbart das System der Endlösung so detailliert, so kompromisslos und so erschütternd wie dieses Doku-Epos.«
- Focus

»Wir haben nach dem Krieg unzählige Berichte über die Ghettos, über die Vernichtungslager gelesen; wir waren erschüttert. Doch wenn wir heute Claude Lanzmanns außergewöhnlichen Film sehen, merken wir, dass wir überhaupt nichts gewusst haben.«
- Simone de Beauvoir

»Das eindrucksvollste, nachwirkendste Zeugnis einer Erinnerungsarbeit, die bisher über System und Praxis der nazistischen ›Endlösung‹ versucht wurde.«
- Wolfram Schütte, Frankfurter Rundschau

»Beispiellos qualvoll, beispiellos eindringlich … SHOAH dokumentiert Geschichte und – kaum weniger intensiv und schmerzhaft – das Sprechen über Geschichte.« Klaus Kreimeier, epd Film

»Der anspruchsvollste Film, der jemals über die Judenvernichtung gedreht wurde – SHOAH lässt den Zuschauer erstarren, überwältigt ihn, und hinterlässt schließlich – mit unendlicher Zartheit und Behutsamkeit – bei ihm eine Verletzung, eine Narbe. … SHOAH lehrt uns die Bedeutung des Wortes ›untröstlich‹.«
- Jim Hoberman, The Village Voice


»Lanzmanns große Spurensuche mit Überlebenden, Zeugen und vermeintlichen Statisten des Holocaust. Hier hat das Wort Meilenstein seine Berechtigung.«
- DIE ZEIT

»Auch wenn sich die Perspektiven auf "Shoah" immer komplexer auffächern und es zu weiteren werkinternen Fortschreibungen kommt, bleibt die "definitive" Form des Films davon unberührt. Die darin geleistete Vermittlung von historischem Wissen und Trauerarbeit ist auch filmgeschichtlich singulär: Zeugenschaft trotz allem.«
- taz

»Indem Lanzmann nur heutige Landschaften, heutige Gesichter und Stimmen zeigt, evoziert er die Jetztzeit des Grauens, wie dies kein historisierender Dokumentarfilm vermöchte. Seine Respektlosigkeit, sein Sarkasmus und seine Schonungslosigkeit durchlöchern den zähen Schaum der Verdrängung, der auf dem Verbrechen liegt. Mit Takt, Dezenz und Zurückhaltung ist der verlogenen Verdrängung nicht beizukommen.«
- Der Spiegel, 1986

 
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