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Frankfurter Poetik-Vorlesungen 1984/1985
Erstmals seit der Aufnahme vor 25 Jahren in voller Länge zugänglich
Ernst Jandl: Das Öffnen und Schließen des Mundes
ISBN: 978-3-89848-560-9
Best. Nr.: 560
Preis: € 29,90
EAN: 978-3-89848-560-9
 
filmedition suhrkamp - fes 17:

Wintersemester 1984/1985: Vor einem begeisterten Publikum hält Ernst Jandl seine Frankfurter Poetik-Vorlesungen.

Seit den sechziger Jahren zählte Jandl zu den wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellern experimenteller Lyrik und Theaterstücke, hier nun filmt ihn die Kamera im Hörsaal: beim Sprechen, Pfeifen, Wangenaufplustern, Grimassieren. Wir sehen den Autor mit Rasanz, Ironie, Boshaftigkeit und Lust an Lauten und Tönen seine »visuellen lippengedichte« darbieten, bei geschlossenem Mund seinen »beitrag zur neuen innerlichkeit« zu Gehör bringen oder liebevoll Kurt Schwitters »Kleines Gedicht für große Stotterer« vortragen (»Ein Fischge, Fisch, ein Fefefefefischgerippe / Lag auf der auf, lag auf der Klippe«).

Und er verhöhnt – natürlich – die Spießermoral der vermeintlichen Humanisten, indem er ihnen ihre Unmenschlichkeit in »heruntergekommener Sprache« lyrisch verwandelt entgegenschleudert (»ich sein sprachenkunstler, sprachenkunstler / ich dir zitieren einen goethen«). Wir haben Teil an den bis heute wohl heitersten Poetik-Vorlesungen, die Jandl selbst in ein Kunstwerk verwandelt und die - so lautete das begeisterte Urteil so gut wie aller, die dabei waren und damals oder seither darüber gesprochen oder geschrieben haben -: »man einfach gesehen haben muss!« Und zwar im Doppelsinn: einmal mit Betonung auf dem »muss«, ist dies doch die umfassendste, facettenreichste Positionsbestimmung und zugleich auch Werkschau des populärsten deutschsprachigen Avantgardedichters der Nachkriegszeit; zum anderen aber mit Betonung auf »gesehen«, denn wenn es je eine Vorlesung gegeben hat, die so sehr selber Poesie und deren eigentliche Werkform nicht der Text, sondern die Bild-Ton-Wiedergabe ist, dann Jandls »Öffnen und Schließen des Mundes«.

»Es bedarf eines hörbaren und sichtbaren Sprechers, und es bedarf eines Publikums. Auf Videoband bekommt jeder es ebenfalls komplett; auf Schallplatte nur noch einen Teil davon; noch viel weniger auf der Buchseite.« Ernst Jandl, Das Öffnen und Schließen des Mundes




»um eine vorlesung zu halten / habe ich alles //.

vor allem ein thema. zu diesem kam es aus rein organisatorischen gründen. es läßt sich indes aus sich selbst begründen. vor allem als zeichen des fleißes, des mangels an faulsein. ich rieche, rieche - menschenfleiß!

ein faulsein / ist nicht lesen kein buch / ist nicht lesen keine zeitung / ist überhaupt nicht kein lesen // ein faulsein ist nicht lernen kein lesen und schreiben / ist nicht lernen kein rechnen / ist überhaupt nicht kein lernen // ein faulsein ist nicht rühren keinen finger / ist nicht tun keinen handgriff / ist überhaupt nicht kein arbeiten // ein faulsein / solang mund geht auf und zu / solang Luft geht aus und ein / ist überhaupt nicht //. Dies - unser motto, unser thema: das öffnen und schließen des mundes.« Ernst Jandl
 
Dieser Film ist Teil der Edition: filmedition suhrkamp

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Regie: Rolf Quenzel, Wilfried F. Schoeller
Kamera: Hartmut Fischer, Frank Reich, Werner Sodemann, Fritz Bräutigam, Jürgen Kraul, Uwe Gloers
Schnitt: Elisabeth Meliss-Gabel, Karin Bastians, Regine Thomas, Sylvia Moehrke
Produktion: Hessischer Rundfunk
Produktions-Land+Jahr: BRD, 1984
Ton: Willi Reichrath, Holger Becker, Yakar Güzoglu, Rolf Meister
Mitwirkende: Ernst Jandl

2 DVD 5, PAL, 4:3, Ton: Mono, 263 Min. Gesamtdauer, Farbe, das begleitende Booklet wird herausgegeben von Johannes Ullmaier

 



»Keiner kann Jandl so gut interpretieren wie Jandl selbst. Das bezeugen zwei DVDs, auf denen die Poetikvorlesungen zugänglich gemacht werden, die er im Studienjahr 1984/85 in Frankfurt am Main hielt. ... Wenn man Jandl gespannt zuhört und zusieht – und das ist die Rechtfertigung für das Medium DVD anstelle eines Buchs oder einer CD –, so liegt das allerdings nicht nur an der Mundbewegung beim Rezitieren, sondern auch an seiner Mimik. Es wird viel gelacht bei diesen Vorlesungen. Jandl selbst lacht kaum. Selten hat man so sehr den Eindruck von Ernsthaftigkeit, ja Humorlosigkeit, wo eine komische Wirkung erzielt wird. Jandl hat etwas von einem Clown, der seinen Spaß verdirbt, wenn er sich selbst darüber amüsiert.«
- Thomas Rothschild, FREITAG

»Jandl wusste, wovon er sprach, und er wusste, wie Sprache und besonders wie Sprechen funktioniert. So ist seine Vorlesung ein Wechselbad von sprachlicher Analyse und abrupt hereinbrechender, lebhafter praktischer Umsetzung. Eine Analyse Jandlscher Art, die es mit jeder „seriösen“ Sprachwissenschaft aufnehmen kann.«
- Andreas Thomas, Filmgazette.de

»Video ist keine Erfindung von Ernst Jandl. Schade. Aber es ist das ihm gemäße Mittel, von dem er auf seine Weise Gebrauch macht: höchst ernsthaft, hinreißend liquid und manchmal nichts als niedergeschlagen. Die Wörter lallen nicht. Sie leisten Widerstand. Sie kommunizieren enorm.«
- Karl Krolow

»Indem er die Machart der Texte und die Hintergründe seines Schreiben offenlegt, liefert Jandl zugleich eine literarische Performance ab, deren Highlights natürlich die zu Erläuterungszwecken eingeflochtenen Beispiele sind. Wer Jandls Bücher im Regal stehen hat, sollte diese unbedingt durch diese DVD ergänzen.«
- Wiener Zeitung

 
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