Film | SHOAH und die Folgefilme

SHOAH und die Folgefilme
Das Meisterwerk und seine vier Fortschreibungen

Regie: Claude Lanzmann

Das Hauptwerk und seine vier Fortschreibungen liegen jetzt erstmals gesammelt auf sechs DVD vor.

Claude Lanzmann legte mit SHOAH eine der radikalsten und umfassendsten Filmarbeiten über die Vernichtung des europäischen Judentums im Nationalsozialismus vor. 12 Jahre Dreharbeiten, 350 Stunden Material, 9 1/2 Stunden Film gegen das Vergessen. 4 DVD, restaurierte Fassung.

Nach SHOAH entstanden – basierend auf unveröffentlichten Interviews, die das Konzept von SHOAH gesprengt hätten – vier eigenständigen Fortschreibungen:
EIN LEBENDER GEHT VORBEI – Was hatte ein Delegierter vom Roten Kreuz von seinem Besuch in Theresienstadt zu berichten? (65 Min.)
SOBIBOR, 14. OKTOBER 1943, 16 UHR – Wie verlief der gelungene Aufstand in einem Vernichtungslager? (95 Min.)
DER KARSKI-BERICHT – der legendäre Kurier des polnischen Widerstands, der Roosevelt persönlich von der Vernichtung der Juden Bericht erstattete. (49 Min.)
DER LETZTE DER UNGERECHTEN – das ausführliche Gespräch mit Benjamin Murmelstein, der einzige überlebende »Judenälteste«. (210 Min.)

Mit einem ausführlichen Booklet mit Kurzbios aller Befragten.

SHOAH
Der französische Filmemacher Claude Lanzmann legte Mitte der 80er Jahre mit SHOAH eine der radikalsten und umfassendsten Filmarbeiten über die Vernichtung des europäischen Judentums im Nationalsozialismus vor. 12 Jahre Arbeit, 350 Stunden Material, 9 1/2 Stunden Film gegen das Vergessen.

Dabei verzichtet dieses epische Großprojekt auf Musik, auch auf jegliche Form des Kommentars und vor allem auf historisches Archivmaterial – auf die Bilder von Massengräbern, Gaskammern, von ausgemergelten Körpern. Im Mittelpunkt stehen nicht die Dokumente der Vergangenheit, sondern die Gegenwärtigkeit des Erinnerns. Lanzmann besuchte die Orte der Vernichtung, die ›Todesfabriken‹ Chelmno, Belzec, Sobibor, Treblinka, Auschwitz und fand Orte vor, über die Gras gewachsen war. Daher die Insistenz, mit der er in Polen, in Israel, in den USA, in Deutschland letzte Augenzeugen der Katastrophe – seltene Überlebende der »Sonderkommandos«, Zuschauer und auch NS-Täter – ausfindig machte und zu Deportation und Lageralltag befragte.

Das Erlebte aber drängt mit aller Kraft ins Vergessen. Es bedurfte eines hohen, psychologisch geschulten Aufwands und einer ausgefeilten Fragetechnik, um die Befragten zum Sprechen zu bringen und ihnen zu entlocken, was nicht bewältigt werden kann. Ohne chronologische Anordnung und bewusst fragmentarisch präsentiert, ergeben die Interviews ein subtil gewobenes Geflecht ineinander verschränkter Perspektiven auf das Unbegreifliche.

40 Jahre nach Kriegsende fertig gestellt, erregte der Film Aufsehen und Bewunderung, lief auf etlichen Festivals, war mehrfach im Fernsehen zu sehen, in den 90er Jahren auf VHS erhältlich – und ist seitdem in Deutschland nicht mehr greifbar. Höchste Zeit, dieses Monument historischer Aufklärung jenseits von Guido Knopp und Steven Spielberg in Deutschland auf DVD zugänglich zu machen.

DIE BEFRAGTEN (in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Film):
Simon Srebnik, auch Shimon Srebrnik (Überlebender der zweiten Vernichtungsphase von Chelmno/Kulmhof) ▪ Michael Podchlebnik, auch Mordechai Podchlebnik (Überlebender der ersten Vernichtungsphase von Chelmno/Kulmhof) ▪ Hanna Zaidl (Tochter von Motke Zaidl) ▪ Motke Zaidl (Überlebender von Wilna/Ponar) ▪ Itzhak Dugin (Überlebender von Wilna/Ponar) ▪ Jan Piwonski (Einwohner von Sobibor, Hilfsweichensteller) ▪ Richard Glazar (Überlebender von Treblinka) ▪ Paula Biren (Überlebende des Ghettos Lodz; Überlebende von Auschwitz) ▪ Pana Pietyra (Einwohnerin von Auschwitz) ▪ Pan Filipowicz (Bewohner von Wlodawa, Zeuge der Deportation der Juden von Wlodawa) ▪ Pan Falborski (Einwohner von Kolo bei Chelmno/Kulmhof, Kfz-Mechaniker) ▪ Abraham Bomba (Friseur in der Gaskammer von Treblinka) ▪ Czeslaw Borowi (Polnischer Bauer aus Treblinka) ▪ Henrik Gawkowski (Polnischer Lokführer in Treblinka) ▪ Rudolf Vrba (Überlebender von Auschwitz, Mitglied der Widerstandsbewegung) ▪ Inge Deutschkron (Deutsche Jüdin; lebte während des gesamten Krieges in Verstecken in Berlin) ▪ Franz Suchomel (SS-Unterscharführer; ab August 1942 Wächter in Treblinka) ▪ Filip Müller (Überlebender der fünf Liquidierungen des »Sonderkommandos« von Auschwitz und Birkenau) ▪ Josef Oberhauser (ehem. SS-Offizier, Fahrer von Globocnik, des Leiters der Aktion Reinhard(t)) ▪ Alfred Spieß (Oberstaatsanwalt, Vertreter der Anklage in beiden Treblinka-Prozessen) ▪ Raul Hilberg (Historiker und bedeutender Holocaust-Forscher) ▪ Franz Schalling (Mitglied der Schutzpolizei Chelmno/Kulmhof – »Schloßkommando«) ▪ Martha Michelsohn (Ehefrau des Nazi-Lehrers von Chelmno/Kulmhof) ▪ Moshe Mordo (Überlebender von Auschwitz) ▪ Armando Aaron (Vorstand der jüdischen Gemeinde von Korfu; Überlebender von Auschwitz) ▪ Walter Stier (ehem. NSDAP-Mitglied und hoher Beamter der Reichsbahn – Generaldirektion der Ostbahn) ▪ Ruth Elias (Überlebende des tschechischen Familienlagers in Auschwitz-Birkenau) ▪ Jan Karski (Legendärer Kurier der polnischen Exilregierung) ▪ Franz Grassler (Stellvertreter des Nazi-Kommisars Auerswald für das Warschauer Ghetto) ▪ Gertrude Schneider (mit ihrer Mutter Charlotte Hirschhorn; Überlebende des Rigaer Ghettos) ▪ Yitzhak Zuckerman (Überlebender des Warschauer Ghettos, Zweiter Befehlshaber der Jüdischen Kampforganisation) ▪ Simha Rotem (Überlebender des Warschauer Ghettos, Mitglied der Jüdischen Kampforganisation)

שואה – Shoah, Schoah, Shoa, Schoa. Hebräisch für: Abgrund, Vernichtung, Dunkelheit, große Katastrophe, Unheil, Untergang – inzwischen auch Synonym für die Massenvernichtung des europäischen Judentums im Nationalsozialismus. Der Begriff wird dem in den USA – auch medial (man denke an die gleichnamige TV-Serie aus den 70ern um die Familie Weiss) – geprägten Begriff des ›Holocaust‹ zunehmend vorgezogen, dessen griechisch-römische Etymologie (gr. holokauston bzw. lat. holocaustum = ›Brandopfer‹)problematische Nähen zu religiösen Opferriten herstellt. Vom Unerhörten sich einen Begriff zu machen, kann aber wohl abschließend nicht gelingen, und so bleibt auch ›Shoah‹ als Begriff, vor allem in seinen Anklängen an Naturkatastrophen, überaus kontrovers.

SOBIBOR, 14. OKTOBER 1943, 16 UHR / EIN LEBENDER GEHT VORBEI
Wie verlief der einzige jemals gelungene Aufstand in einem Vernichtungslager der Nationalsozialisten? Und: Was hatte ein Delegierter vom Internationalen Roten Kreuz den Behörden von seinem Besuch in Theresienstadt zu berichten? Basierend auf unveröffentlichten Interviews, die Lanzmann 1979 während der Dreharbeiten zu seinem Jahrhundertepos SHOAH aufgezeichnet hatte, entstanden Jahre später diese zwei eigenständigen Dokumentarfilm-Meilensteine.

SOBIBOR, 14. OKTOBER 1943, 16 UHR (2001) setzt an, wo SHOAH (1986) endete: beim jüdischen Widerstand. Der Titel verweist auf Ort, Tag, Monat, Jahr, Stunde des einzigen jemals gelungenen Aufstands in einem Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Damit wäre aber auch die entscheidende Differenz zu SHOAH benannt. Denn während Lanzmann die Zeugen in SHOAH als Wiedergänger begreift, die aus dem Reich der Toten berichten, sehen wir in SOBIBOR einen Überlebenden im emphatischen Wortsinn: Yehuda Lerner war 16 Jahre alt und bereits aus acht Lagern geflohen, als er dem SS-Aufseher namens Graetschus mit einer Axt den Schädel spaltete. Er handelte im Rahmen eines Aufstandsplans, nach dem eine Gruppe Häftlinge des Vernichtungslagers Sobibor am besagten Tag, zu besagter Stunde gegen die SS aufbegehrte. Die Deutschen waren pünktlich, der Plan ging auf …

EIN LEBENDER GEHT VORBEI (UN VIVANT QUI PASSE) (1997): Maurice Rossel, ein Offizier der Schweizer Armee, der während des Zweiten Weltkriegs als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Berlin stationiert gewesen war, wollte Claude Lanzmann nicht empfangen. So überrumpelte ihn Lanzmann mit einem Überraschungsbesuch, bei dem dieses Filmgespräch in höchst gespannter Atmosphäre zustande kam. Als einziger Delegierter hatte Rossel nämlich schon 1943 das Konzentrationslager Auschwitz besucht (das Vernichtungslager Birkenau bekam er nicht zu Gesicht). 1944 war er dann auf Einladung nach Theresienstadt gereist und den Täuschungsmanövern der SS aufgesessen, wie sein damals verfasster offizieller Bericht über das »Vorzeigelager« beweist.

Zwei Gesprächspartner, zwei sehr unterschiedliche Filme: Eine große Erzählung jüdischen Widerstands und die nicht folgenlose Episode einer nachhaltigen Blendung.

»Es gibt heutzutage zwar eine große Anzahl von Museen, Denk- und Mahnmalen. Die aber dienen dem Vergessen ebenso wie der Erinnerung. Sie verwalten die Erinnerung, die zur toten Materie wird, ehe sie ganz ins Stadium des Vergessens übergeht. Meine Filme sind Gegenmittel dazu.« Claude Lanzmann

DER KARSKI BERICHT (2010)
»Die europäischen Juden wurden nicht gerettet. Hätten sie gerettet werden können?« Claude Lanzmann

Für sein epochales Filmprojekt über die Judenvernichtung hatte Claude Lanzmann Jan Karski 1978 zwei volle Tage interviewt. Der polnisch-katholische Widerstandskämpfer und legendäre Kurier der polnischen Exilregierung war 1942 von Vertretern der polnischen Juden ins Warschauer Ghetto und in ein Konzentrationslager eingeschleust worden, um dann ab 1943 als »Botschafter des Holocaust aus eigener Anschauung« (Spiegel) der Welt von der Vernichtung der Juden in Polen Bericht zu erstatten.

Die aufwühlende Erzählung seiner Ghettobesuche in Lanzmanns SHOAH ist unvergessen, wie aber verlief Karskis Besuch im Weißen Haus? Wie reagierten Franklin D. Roosevelt und andere führende Vertreter der freien Welt auf seinen ungeheuerlichen Bericht? All dies schildert Jan Karski nicht minder eindringlich in diesem zweiten bislang unveröffentlichten Teil des Interviews. In seiner Detailgenauigkeit, in der Würde und Tiefe der Aussage ein außerordentliches, tief erschütterndes Dokument.

»Ich kann nur sagen, dass ich es mit eigenen Augen gesehen habe und dass es die Wahrheit ist.« Jan Karski

JAN KARSKI – eine kleine selektive Chronik
Am 24. April 1914. Jan Kozielewski wird in Lódź geboren.
Januar 1939. Nach einem Doppelstudium Jura und Diplomatie Anstellung im polnischen Auswärtigen Amt.
September 1939. Einmarsch der Wehrmacht in Polen: Der junge Unterleutnant wird eingezogen und gerät nach der Kapitulation erst in sowjetische, dann nach einem Gefangenenaustausch in deutsche Kriegsgefangenschaft.
November 1939. Er flüchtet von einem Gefangenentransport und schließt sich im nunmehr deutsch besetzten Polen der Untergrundbewegung an, von der er als Kurier eingesetzt wird. Er nimmt den Decknamen ‘Karski’ an.
1940. Von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Selbstmordversuch und erneute Flucht.
Sommer 1942. Vertreter der polnischen Juden in Warschau schleusen ihn zweimal ins Ghetto sowie in ein KZ bei Lublin, damit er sich mit eigenen Augen ein Bild von der Lage machen kann, um den Westmächten davon zu berichten.
Herbst 1942. Es gelingt Karski, sich nach London durchzuschlagen, wo er mit Vertretern der polnischen Exilregierung zusammentrifft, mit Mitgliedern des britischen Kriegskabinetts, mit Intellektuellen wie Arthur Koestler und H. G. Wells und mit jüdischen Autoritäten. Allen trägt er seinen Bericht vor über die Lage in Polen und das tragische Los der Juden. Man beschließt, ihn in die Vereinigten Staaten zu entsenden, um die höchsten Instanzen Washingtons zu informieren.
28. Juli 1943. Präsident Roosevelt empfängt ihn im Weißen Haus.
1944. Sein Buch, Story of A Secret State, in dem er seine Missionen für den polnischen »Untergrundstaat« schildert, erscheint mit großem Erfolg in den USA.
1978. Claude Lanzmann sucht Karski in Washington auf, wo er Politikwissenschaften an der Universität Georgetown lehrt, und überzeugt ihn, in seinem geplanten Film SHOAH als Zeuge aufzutreten. Karski steht zwei volle Tage vor Lanzmanns Kamera Rede und Antwort.
1985. SHOAH kommt in die Kinos. Karski schildert darin 40 Minuten lang auf eindringlichste Weise die Gesuche der jüdischen Vertreter in Warschau und beschreibt seine zwei Besuche im Ghetto. Die Details seiner Mission und das Treffen mit präsident Roosevelt bleiben unerwähnt.
1994. Karski wird zum Ehrenbürger des Staates Israel ernannt.
2009. Yannick Haenels Roman »Jan Karski« (Dt. Ausgabe: »Das Schweigen des Jan Karski«. Hamburg 2011) erscheint in Paris und löst eine rege Feuilleton-Debatte aus. Haenels romaneske Einfühlung in die historische Figur Karski veranlasst Lanzmann dazu, das nicht verwendete Interview-Material mit dem großen Kurier des Widerstands etliche Jahre nach dem Erscheinen von SHOAH zu einem eigenen Film zu verarbeiten. Denn Haenel hatte die Details von Karskis Zusammenkunft mit Roosevelt frei erfunden, um seine These von der mutwilligen Ignoranz der Alliierten zu untermauern. Da sich Karski vor Lanzmanns Kamera 1978 ganz anders geäußert hatte, entschied dieser sich dazu, das Material zu veröffentlichen.
17. März 2010. Lanzmanns LE RAPPORT KARSKI wird auf ARTE ausgestrahlt.
2011. Die erste deutsche Ausgabe von Karskis Story of a Secret State (Jan Karski: »Mein Bericht an die Welt«) erscheint mit fast sieben Jahrzehnten Verspätung …

DER LETZTE DER UNGERECHTEN (2013)
Für SHOAH filmte Claude Lanzmann 1975 in Rom mit Benjamin Murmelstein, dem einzigen überlebenden »Judenältesten« und letzten Vorsitzenden des Judenrats aus dem Ghetto Theresienstadt, verwendete diese Aufnahmen jedoch nie. Bis jetzt.

Das vielstündige Interview mit Murmelstein hätte das Konzept von SHOAH gesprengt. Jetzt inszenierte Lanzmann die Gespräche über dessen ambivalente Rolle als unfreiwillige Führungskraft mit neuen Aufnahmen aus Wien, Polen, Israel und dem »Vorzeigeghetto« Theresienstadt.

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 kämpfte der Rabbiner Murmelstein als hochrangiger Funktionär der von Adolf Eichmann kontrollierten Israelitischen Kultusgemeinde Wien und als »Judenältester« des Ghettos Theresienstadt sieben lange Jahre gegen die Vernichtung. Gleichzeitig verhalf er 121.000 Juden erfolgreich zur Emigration.Der Film offenbart die außergewöhnliche Persönlichkeit Murmelsteins, seine faszinierende Intelligenz, seinen unumstößlichen Mut und das große Erinnerungsvermögen. Der großartige Geschichtenerzähler berichtet ironisch, sarkastisch und aufrichtig über drei Epochen hinweg, von Nisko nach Theresienstadt und von Wien nach Rom.

»Die Marionette konnte die Fäden ziehen.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Extras

BOOKLET: Mit Kurzbios aller Befragten und zahlreichen Lanzmann Texten

PDF MATERIAL: SHOAH (Credits, Auszeichnungen, die Orte der Vernichtung, ausführliche Biographien der Befragten, Kapitelübersicht, Essay, Szeneprotokoll, Filmvorwort, Biographie, Quellennachweise, insgesamt 51 Seiten)

PDF MATERIAL: FOLGEFILME (Credits, ausführliche Biographien der Befragten,
Kapitelübersicht, Szeneprotokoll, Filmvorworte, Essay von Klaus Theweleit, Interview, Liste der Archivbilder, andere „Judenälteste“, Murmelstein Essay aus der NZZ 1963, Interview mit der Kamerafrau, insgesamt 116 Seiten)

Inhaltsübersicht

SHOAH KAPITEL

DVD 1
[1–5] Der singende Junge • [6–9] Wälder des Vergessens • [10–14] Massengräber und Scheiterhaufen • [15–17] Jüdisches Leben und Sterben in Polen • [18–21] Die Deportationen polnischer Juden • [22–24] Treblinka: Transporte und Lageralltag unter den Augen der Polen • [25–28] Treblinka: Ankunft und Ablauf der Transporte • [29–32] Ankunft in Treblinka: In den Waggons • [33–35] Treblinka: Langes Warten vor dem Lager [36–40] Treblinka: Die Transporte mit Juden aus dem Ausland • [41–43] Treblinka, Sobibor, Auschwitz-Birkenau: Die Rampen • [44–47] Treblinka, Auschwitz: Ankunft im Lager, »Sortierung« [48–52] Treblinka, Auschwitz: Die erste Zeit nach der Ankunft • [53–54] Berlin [55–57] Treblinka, Auschwitz: Die Gaskammern

DVD 2
[1–6] Die Maschinerie der Vernichtung • [7–11] Chelmno: Die erste Vernichtungsperiode [12–15] Grabow: Erinnerungen der Dorfbewohner • [16–19] Grabow: Alte Vorurteile der Dorfbewohner • [20–23] Fortsetzung der Gespräche mit den Grabowern • [24–26] Chelmno: Die zweite Vernichtungsperiode • [27–29] Die Gaswagen + Abspann

DVD 3
[1–4] Treblinka: Die letzten Wege • [5–9] Auschwitz-Birkenau • [10–12] »Sonderzüge« und »Sonderkommando« • [13–16] Treblinka, Auschwitz: Widerstandsbewegungen

DVD 4
[1–4] Das tschechische Familienlager in Auschwitz-Birkenau • [5–7] Die Welt muss davon erfahren • [8–12] Das Warschauer Ghetto: Czerniakows Tagebuch • [13–17] Der Selbstmord Adam Czerniakows • [18–21] Der Aufstand im Warschauer Ghetto + Abspann

DVD 5
EIN LEBENDER GEHT VORBEI
Kapitel
1 Vorspann / Einleitung Claude Lanzmann
2 Über Berlin im Krieg, die Aufgaben des IKRK und den Unterschied von Kriegsgefangenen und »Zivilgefangenen«
3 Ohne Genehmigung nach Auschwitz: »Das einzig Lebendige waren die Augen.«
4 Auf Einladung nach Theresienstadt: Großes Theater
5 Der Bericht: »Eine fast normale Provinzstadt«
6 Paul Eppsteins Rede

SOBIBOR, 14. OKTOBER 1943, 16 UHR
Kapitel
1 Vorspann/Einleitung Claude Lanzmann
2 »Ich war in acht Lagern.«
3 Kriegsgefangenenlager Minsk
4. Anfang September 1943
5 Ankunft im Lager Sobibor
6 Der Plan
7 »Hatte Herr Lerner schon mal getötet?«
8 14. Oktober 1943, 16 Uhr
9 16:05 Uhr
10 17:00 Uhr
11 Transporte nach Sobibor bis Ende September 1943
12 Abspann

DER KARSKI-BERICHT
Kapitel
1 Vorspann
2 Wem berichten?
3 Einsatzbesprechung
4 Das Treffen mit Roosevelt
5 Roosevelts Namensliste
6 Richter Frankfurter
7 Ohne Beispiel
8 Abspann

DVD 6
DER LETZTE DER UNGERECHTEN
1. Vorspann & Vorwort Claude Lanzmann
2. »Wer kennt heute noch den Bahnhof Bohušovice?« – Ankommen in Theresienstadt
3. Eurydike oder über die Gefahren des Zurückblickens
4. Original-Filmausschnitt: NS-Propaganda über Theresienstadt
5. Zur Fragwürdigkeit des Überlebens oder der ›Judenälteste‹ als tragikomische Gestalt
6. Ab Sommer 1938: Adolf Eichmann »studiert« Auswanderung in Wien
7. Wien, 9./10. November 1938: Kristallnacht in der Hauptsynagoge unter Eichmanns
schlagkräftigem Kommando
8. Wien 2012, Stadttempel: Gedenken an die ermordeten Juden
9. Von wegen »banal«: scharfe Kritik am Eichmann-Prozess
10. Ausreise? »Ich habe immer geglaubt, ich habe etwas zu erledigen.«
11. Nisko und Madagaskar: Erste Pläne für »Judenreservate« [Lanzmann 2012]
12. Ab Oktober 1939: Erste Deportationsexperimente. Eichmanns Rede in Zarzecze bei Nisko:  »Sonst – heißt es eben sterben!« [Murmelstein 1975]
13. Weiter über Eichmanns Rede und das Scheitern des Nisko-Plans: »Noch schämt man sich.« [Murmelstein 1975 / Bildebene 2012 Gegend um Nisko]
14. Prag 2012, Stadtansichten: Gedenken an die ermordeten Juden
15. Illusion Theresienstadt: Exekutionen und Terror im »Vorzeige-Ghetto«. Hinrichtung der Vorgänger
Murmelsteins, Edelstein und Eppstein, im Juni und September 1944 [Lanzmann 2012]
16. Theresienstadt im Januar 1943: Ankunft in der »Stadt Als ob«; erste Ämter [Murmelstein 1975]
17. Über seine Rolle bei der »Stadtverschönerung«: Theresienstadt als Propagandaobjekt [Murmelstein 1975]
18. Was wusste man in Theresienstadt über Auschwitz und die Vernichtungslager? [Murmelstein 1975]
19. Vorschnelle Verurteilungen? [Murmelstein und Lanzmann 1975]
20. Abspann

Credits
Buch: Claude Lanzmann
Kamera: Dominique Chapuis, Jimmy Glasberg, William Lubchansky
Regie: Claude Lanzmann
Schnitt: Ziva Postec
Schnitt für eine Sequenz: Anna Ruiz

Produktionsland: F
Produktionsjahr: 1985-2013
Pressestimmen

“Auf sechs DVDs von über 15 Stunden Länge gibt es nun zum Sonderpreis die Kassette „Shoah und die Folgefilme“. Sie enthält neben dem Hauptwerk über die Vernichtung des europäischen Judentums im Nationalsozialismus die vier Fortschreibungen.” NWZ

“Man muss die einzelnen Werke vielmehr als Erweiterung, quasi als Nebenflüsse des eigentlichen Geschehens, erkennen. Genau dann steht die Notwendigkeit dieser Auflagen außer Frage, verharren sie doch immer noch voll und ganz in Claude Lanzmanns Credo, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.” Moviebreak

“Der Regisseur Claude Lanzmann befragt in sehr persönlichen Interviews Überlebende des Holocaust, fährt durch die Landschaften, in denen die Vernichtungslager standen. «Shoah» enthält kein einziges historisches Archivbild des Holocaust. Bei seinem Erscheinen rührte der Film heftig an eine der zentralen Fragen, die an die Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gestellt wurde: Kann und darf man das Grauen der Shoah überhaupt zeigen? Und falls ja, wie? Die Antwort, die Lanzmann gibt, ist ein langsamer, unendlich schmerzvoller Prozess der Vergegenwärtigung, der das Sehen bis heute zu einer oft unerträglichen Erfahrung macht.” Neue Zürcher Zeitung

»Wer sich wirklich ernsthaft mit dem Holocaust auseinandersetzen möchte, kommt an diesem Ausnahmewerk nicht vorbei. Nie zuvor hat es Mensch vor Claude Lanzmann geschafft, einen derartig imposanten Kitt zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu spannen und das Unbegreifliche greifbar zu machen. Ein Monument, für die Ewigkeit.« Moviebreak

»Indem Lanzmann nur heutige Landschaften, heutige Gesichter und Stimmen zeigt, evoziert er die Jetztzeit des Grauens, wie dies kein historisierender Dokumentarfilm vermöchte.« Der Spiegel

»Eine Totenklage aus mehreren, ineinander-fließenden Stimmen … Ein wahres Meisterwerk.« Simone de Beauvoir

»Das Filmereignis des Jahrhunderts!« Washington Post

»Ich halte SHOAH für die ausnahmslos beste Dokumentation zeitgenössischer Geschichte und bei weitem für den besten Film, den ich je über den Holocaust gesehen habe.« Marcel Ophüls
»Das eindrucksvollste, nachwirkendste Zeugnis einer Erinnerungsarbeit, die bisher über System und Praxis der nazistischen ›Endlösung‹ versucht wurde.« Wolfram Schütte, Frankfurter Rundschau

»Beispiellos qualvoll, beispiellos eindringlich … SHOAH dokumentiert Geschichte und – kaum weniger intensiv und schmerzhaft – das Sprechen über Geschichte.« Klaus Kreimeier, epd Film

»Der anspruchsvollste Film, der jemals über die Judenvernichtung gedreht wurde – SHOAH lässt den Zuschauer erstarren, überwältigt ihn, und hinterlässt schließlich – mit unendlicher Zartheit und Behutsamkeit – bei ihm eine Verletzung, eine Narbe. … SHOAH lehrt uns die Bedeutung des Wortes ›untröstlich‹.« Jim Hoberman, The Village Voice

»Lanzmanns große Spurensuche mit Überlebenden, Zeugen und vermeintlichen Statisten des Holocaust. Hier hat das Wort Meilenstein seine Berechtigung.« DIE ZEIT

»Auch wenn sich die Perspektiven auf “Shoah” immer komplexer auffächern und es zu weiteren werkinternen Fortschreibungen kommt, bleibt die “definitive” Form des Films davon unberührt. Die darin geleistete Vermittlung von historischem Wissen und Trauerarbeit ist auch filmgeschichtlich singulär: Zeugenschaft trotz allem.« taz

»Indem Lanzmann nur heutige Landschaften, heutige Gesichter und Stimmen zeigt, evoziert er die Jetztzeit des Grauens, wie dies kein historisierender Dokumentarfilm vermöchte. Seine Respektlosigkeit, sein Sarkasmus und seine Schonungslosigkeit durchlöchern den zähen Schaum der Verdrängung, der auf dem Verbrechen liegt. Mit Takt, Dezenz und Zurückhaltung ist der verlogenen Verdrängung nicht beizukommen.« Der Spiegel, 1986
»Wir haben nach dem Krieg unzählige Berichte über die Ghettos, über die Vernichtungslager gelesen; wir waren erschüttert. Doch wenn wir heute Claude Lanzmanns außergewöhnlichen Film sehen, merken wir, dass wir überhaupt nichts gewusst haben. « Simone de Beauvoir

»Kein anderer Film offenbart das System der Endlösung so detailliert, so kompromisslos und so erschütternd wie dieses Doku-Epos.« Focus #33 August 2009

»Die Bilder entstehen im Kopf des Zuschauers.« WDR 3 Resonanzen 2.8.09

»Der Film hat nichts von seiner Kraft verloren. Er hat sogar an Bedeutung gewonnen, weil er eine andere Position im Umgang mit Zeitgeschichte einnimmt als sie heute gängig ist. Die Ästhetik der Fernsehdokumentationen aus der Redaktion Guido Knopps wirkt diesem Film gegenüber ebenso verlogen und oberflächlich wie die möglichst genauen historischen Rekonstruktionen in Spielfilmen wie „Operation Walküre“ und „Der Untergang“. Es kommt nicht darauf, an wo die Uniform eines Obersturmbannführers Falten warf. Sondern darauf, was die Erlebnisse in den Menschen auslösten.« WDR 3 Resonanzen 2.7.09

»Wenn man lebt, ist Lächeln besser.« Moderchai Podchlebnik, Überlebender

Auszeichnungen

Auszeichnungen weltweit (Auswahl): 1985 The New York Film Critics Circle (NYFCC) Awards, Bester Dokumentarfilm · Los Angeles Film Critics Association (LAFCA) Awards, Besondere Erwähnung · Prix des Arts, des Lettres et des Sciences de la Fondation du Judaïsme français · Prix de la Ligue Internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme · 1986 National Society of Film Critics (NFSC) Awards, Bester Dokumentarfilm · The Boston Society of Film Critics (BSFC), Bester Dokumentarfilm · Filmpreis Rotterdam · British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) Awards, Flaherty Dokumentarfilmpreis · Caligari Filmpreis der Berlinale · FIPRESCI-Preis der Berlinale (Forum) · Preis der Internationalen Katholischen Organisation · The Torch of Liberty Award · Christopher Award · Preis des Simon Wiesenthal Centers · Preis der International Documentary Association (IDA) · Ehren-César · 1987 The Peabody Award · Grimme-Preis in Gold · Broadcasting Press Guild Television Awards · Kansas City Film Critics Circle (KCFCC) Award, Bester Dokumentarfilm · 1987/88 Royal Television Society Programme Award · Goldener Ehrenbär 2013 für Claude Lanzmanns Lebenswerk

6 DVDs
Digipack im Schuber

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€ 39,90


Best. Nr.: 2000
ISBN: 978-3-8488-2000-9
EAN: 978-3-8488-2000-9
FSK: Infoprogramm

Länge: 985
Bild: PAL, Farbe, 4:3
Ton: Dolby Digital 1.0
Sprache: mehrsprach. Originalfassung (Französisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch)
Untertitel: Untertitel in deutsch, französisch, englisch, spanisch (Shoah) deutsch (Folgefilme)
Regionalcode: codefree

Label: ARTE Edition
Edition: ARTE EDITION, Die großen Dokumentaristen
Reihe: Die großen Dokumentaristen
Rubrik: Dokument


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