Film | ENGEL ÜBER EUROPA - Rilke als Gottsucher

ENGEL ÜBER EUROPA - Rilke als Gottsucher

Regie: Rüdiger Sünner

Das Buch zum Film: http://www.europa-verlag.de/Buecher/6506/EngelberEuropa.html

FILMAUFFÜHRUNGEN MIT RÜDIGER SÜNNER
18.9. Premiere in Berlin, Urania, weitere Vorführungen am 19. und 20.9.
20.-26.9. Berlin, Kino in der Brotfabrik
12.10. Stuttgart, Rudolf Steiner-Haus
20.10. Calw, Internationales Zentrum des Rosenkreuzes
28.10. Gütersloh, Bambi und Löwenherz Kino
25.11. München, Rio Filmpalast
27.1.2019 Hamburg, Rudolf Steiner-Haus

Rainer Maria Rilke (1875-1926) war nicht nur einer der grössten deutschen Dichter, sondern auch ein „Gottsucher“, der jedoch ganz eigene und unorthodoxe Wege ging. Abgeschreckt vom bigotten Katholizismus seiner Mutter wandte er sich zunächst vom Christentum ab und suchte Inspirationen auf andere Weise.
In München-Schwabing traf er auf esoterisch interessierte Künstler, Okkultisten und Anthroposophen, die ähnlich wie er auf der Suche nach individuellen spirituellen Erfahrungen waren, z.B. Paul Klee, Franz Marc, Stefan George und Rudolf Steiner. Man war zumindest auf der Suche nach dem „Geistigen in der Kunst“, wie ein berühmtes Manifest des Malers Wassily Kandinsky aus dieser Zeit hiess. Der von ihm mit Franz Marc herausgegebene Almanach „Der Blaue Reiter“ spielte auf den Heiligen Georg an, der gegen den Drachen kämpfte. Diesmal war der Drache der Materialismus, der durch die Farbe Blau bezwungen werden sollte: die Farbe von Geist und Unendlichkeit: „Was für eines langen Weges (und Umweges über den Materialismus) hat es bedurft“, schrieb Franz Marc, „um zu erkennen, daß die Welt nur Geist, nur Psyche ist.“
Auch auf Reisen nach Russland, Nordafrika, Spanien und Ägypten lernte Rilke neue spirituelle und mythologische Welten kennen, die seine Dichtung anregten. Er war kein im konventionellen Sinne gläubiger Mensch, sondern umkreiste das “Heilige“ im Medium seiner immer freilassenden Poesie. Das macht auch heute seine Aktualität aus, wo fundamentalistisch-religiöse Weltbilder wieder stärkeren Einfluss bekommen.
Rilke suchte das „Göttliche“ nicht in fernen transzendenten Himmeln, sondern im „Hiesigen“: in der Magie der Natur und in der Aura einfacher Alltagsdinge, die er in einer unnachahmlichen Sprache zu beschreiben wusste. Die Engel, so der Dichter, sind uns zwar vielfach überlegen, aber sie können das „Göttliche“ nicht im Irdischen sehen, was ihnen der Dichter beibringen kann:

“Preise dem Engel die Welt, nicht die unsägliche, ihm kannst du nicht großtun mit herrlich Erfühltem; im Weltall, wo er fühlender fühlt, bist du ein Neuling. Drum zeig ihm das Einfache, das, von Geschlecht zu Geschlechtern gestaltet, als ein Unsriges lebt, neben der Hand und im Blick. Sag ihm die Dinge. Er wird staunender stehn; wie du standest bei dem Seiler in Rom, oder beim Töpfer am Nil. Zeig ihm, wie glücklich ein Ding sein kann, wie schuldlos und unser, wie selbst das klagende Leid rein zur Gestalt sich entschließt, dient als ein Ding, oder stirbt in ein Ding …
(Aus den „Duineser Elegien“)

Rilke „spielte“ mit mythologischen Bildern wie dem „Engel“ oder der griechischen Orpheus-Figur, um mit ihrer Hilfe Erfahrungen des Geheimnisvollen und Wunderbaren zu artikulieren, um tiefer in die Mysterien von Liebe und Tod vorzudringen. Seine „Gottsuche“ war eine eher künstlerische Annäherung, in der immer auch Skepsis oder Erfahrungen der „dunklen Seite“ Gottes ihren Platz
hatten. Ein zeitgemässer und in seiner sprachlichen Schönheit bis heute betörender Versuch, Literatur auch zum Sprachrohr von spirituellen Erfahrungen zu machen.

DER REGISSEUR

Rüdiger Sünner, 1953 in Köln geboren, studierte Musik, Musikwissenschaften, Germanistik und Philosophie. 1985 promovierte er über die Kunstphilosophie von Theodor W. Adorno und Friedrich Nietzsche. Anschließend studierte er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Er ist Autorenfilmer aus Berufung: Themen, die ihn berühren, greift er auf und recherchiert sie gewissenhaft, entwickelt Skript wie Aufbereitung unabhängig von TV-Sendern und Fördergremien, produziert und schneidet selbst, um ein Resultat vorlegen zu können, das seinen Ansprüchen genügt. Das ist mitunter erschöpfend und kraftraubend, steht aber für Qualitätsarbeit jenseits von Spekulation und Quotendruck. Filme an der Schwelle von der Realität zur Imagination, die Erweiterung unserer Wirklichkeit und Wahrnehmung.

Filmografie
1991
Die Legende vom Nil – Auf den Spuren von Paul Klee in Ägypten
1996
Schwarze Sonne – Mythologische Hintergründe des Nationalsozialismus
2004
The tree of life. Auf den Spuren von Dag Hammarskjöld in Lappland
2006
Geheimes Deutschland – Eine Reise zur Spiritualität der Frühromantik
2007
Abenteuer Anthroposophie – Rudolf Steiner und seine Wirkung
2010
Das kreative Universum – Naturwissenschaft und Spiritualität im Dialog
2011
Nachtmeerfahrten – Eine Reise in die Psychologie von C. G. Jung
2013
Mystik und Widerstand – Dorothee Sölle
2015
Zeige deine Wunde – Kunst und Spiritualität bei Joseph Beuys
2016
Gottes zerstreute Funken – Jüdische Mystik bei Paul Celan
2018
Engel über Europa – Rilke als Gottsucher

Extras

Booklet mit einem Essay von Rüdiger Sünner und im Film zitierten Gedichten

Inhaltsübersicht

Kapitel
1 Das Lauschen meines Vaters
2 Dome und Kirchen
3 Der junge Rilke
4 Nennt ihr das Seele?
5 Russland
6 Okkultes München
7 Die Magie der Dinge
8 Das Zauberschloss
9 Die Unbekannte
10 Spirituelle Reisen
11 Der Schlacht-Gott 12 Die azurne Glocke
13 Die Dinge von Soglio
14 Muzot
15 Wera
16 Orpheus
17 Preise dem Engel die Welt
18 Bad Ragaz
19 Todesengel
20 Schüler des Todes

Credits
Musik: Turmalin
Regie: Rüdiger Sünner

Produktionsland: D
Produktionsjahr: 2018
Pressestimmen

“Ein eindrücklicher Film, der sehr berührt, mit dem ganz Persönlichen einer eigenen Rilkelektüre. Das Spirituelle, das gezeigt und an des Dichters Orte begleitet wird, wird wunderbar durch Bild und Musik hervorgehoben. Wunderschön, wie die Vergangenheit durch Stillleben vergegenwärtigt wird. Die besinnliche Ruhe dieses Filmes, der nicht belehrt, sondern sachte suggestiven Spuren folgt, bannt den Zuschauer durch die Aussage, durch die Ästhetik.” FONDATION RILKE, SIERRE

DVD
lieferbar
€ 14,90


Best. Nr.: 4064
ISBN: 978-3-8488-4064-9
EAN: 978-3-8488-4064-9
FSK: Infoprogramm
Vertriebsgebiet: D

Länge: 82
Bild: PAL, Farbe, 16:9
Ton: Dolby Stereo
Sprache: Deutsch
Regionalcode: codefree

Label: absolut MEDIEN
Rubrik: Dokument
Genre: Biografie/Porträt


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