Film | Das Alte Gesetz

Das Alte Gesetz

Regie: E.A. Dupont

Im Rahmen der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin findet am 16.2.2018 im Friedrichstadtpalast die feierliche Uraufführung der aktuellen Restaurierung von DAS ALTE GESETZ mit der Live Musik von Philippe Schœller statt. Das ist Auftakt für ein Kulturprojekt, das die vitale jüdische Kultur Osteuropas zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Erinnerung ruft und das mit seinem Angebot von restauriertem Film und zeitgenössischer Musik, Literaturlesung und Podiumsgespräch fast 100 Jahre Kulturgeschichte in sich vereint.

DAS ALTE GESETZ zählt zu den Klassikern des Weimarer Kinos: Mitte des 19. Jahrhunderts: Baruch, der Sohn eines Rabbiners, will Schauspieler werden. Gegen den Willen seines Vaters verlässt er das osteuropäische Schtetl, in dem er aufgewachsen ist, und schließt sich einem Wandertheater an.

Die österreichische Erzherzogin Elisabeth Theresia findet Gefallen an dem jungen Mann und verschafft ihm aus heimlicher Liebe ein Engagement am Wiener Burgtheater. Dort steigt Baruch zum umjubelten Bühnenstar auf, und eines Tages besucht sein Vater die Vorstellung. Der Rabbiner ist bewegt von der Schauspielkunst Baruchs, und es kommt zur Versöhnung zwischen den beiden. Baruch bleibt in Wien, wo er sich mit seiner Jugendliebe Esther einlebt und assimiliert.

Die Hauptmusik von Philippe Schoeller wird vom Orchester Jacobsplatz München (OJM) unter der Leitung von Daniel Grossmann gespielt: http://www.orchester-jakobsplatz.org/page4/

Die zweite Musik ist von dem bekannten Stummfilmpianisten, Donald Sosin, unter Mitwirkung von der Klezmer-Violinistin, Alicia Svigals: http://silent-film-music.com/

“Das Zeitkostüm hat nichts mehr von einer Verkleidung, Daguerreotypien sind lebendig geworden.”
Lotte Eisner über Das alte Gesetz, in „Die Dämonische Leinwand“, Wiesbaden 1955

Zur Restaurierung:
Bereits 1984 edierte Lothar Schwab für die Deutsche Kinemathek eine Fassung des Films, die sich – soweit damals angesichts der Quellenlage möglich – der Originalfassung anzunähern suchte. Diese Rekonstruktion speiste sich aus Filmmaterialien, die bei Gosfilmofond in Moskau, dem Svenska Filminstitute in Stockholm, der Cinémathèque Royale in Brüssel, der Library of Congress und der Cinémathèque Francaise in Paris beschafft werden konnten. Vor einigen Jahren machte Prof. Cynthia Walk von der University of California, San Diego die Kinemathek darauf aufmerksam, dass inzwischen die Zensurkarte des Films gefunden wurde und eine Korrektur der bisherigen Fassung möglich sei, die den Film noch näher an die Intentionen von Dupont heranbringen, oder doch mindestens den Wortlaut der bisher nur über Rückübersetzungen zugänglichen Zwischentitel wiedergewinnen könne. Frau Prof. Walk war es auch, die den Kontakt zur Sunrise Foundation for the Education and the Arts herstellte, durch deren finanzielle Unterstützung die Neubearbeitung ermöglicht wurde. Eine erneute internationale Recherche förderte einige neue Materialien, u.a. im Narodni Filmovy Archiv und in der Cinémathèque Francaise zutage, die zusammen mit den unterdessen im Bundesarchiv-Filmarchiv aufbewahrten Nitrokopien der vorherigen Recherche erlaubten, den Film nun mit Hilfe digitaler Technik besser zu duplizieren, die Montage zu vervollständigen und auch die Farben der zeitgenössischen Virage wiederzugewinnen.

E.A. DUPONT (1891 – 1956)
Der Sohn des Journalisten Hermann Dupont arbeitet ab 1911 als Journalist, verfasst 1916 sein erstes Drehbuch, seit 1918 Regiearbeiten. Weite Anerkennung findet er mit den Henny Porten-Filmen »Die Geier-Wally« (1921) und »Das alte Gesetz« (1923). Für den Ufa-Produzenten Eric Pommer dreht er 1925 den Welterfolg »Varieté«." Ab 1926 dreht er in London (u.a. “Moulin Rouge”, “Piccadilly”), ab 1929 Tonfilme in mehrsprachiger Version. In Deutschland entsteht das Zirkus-Melodram “Salto mortale” (1931), im Folgejahr im Umfeld der Olympischen Spiele von Los Angeles der Sportfilm “Der Läufer von Marathon”. Für Universal, M-G-M und Paramount dreht der vor den Nazis emigrierte, als “schwierig” geltende Dupont wenig erfolgreiche Produktionen. Nach einem Konflikt bei Dreharbeiten wird Dupont entlassen und kann mehr als zehn Jahre keinen Film mehr inszenieren. Nachdem auch sein Comeback “The Scarf” (1951) ein Flop wird, kann er nur noch billige C-Filme realisieren oder Drehbücher (mit)schreiben. Mehr unter www.filmportal.de

Extras

Die Hauptmusik von Philippe Schoeller wird vom Orchester Jakobsplatz München (OJM) unter der Leitung von Daniel Grossmann gespielt: http://www.orchester-jakobsplatz.org/page4/

Die zweite Musik ist von dem bekannten Stummfilmpianisten, Donald Sosin, unter Mitwirkung von der Klezmer-Violinistin, Alicia Svigals: http://silent-film-music.com/

Clips zur Restaurierung
Auszug aus DER FILM IM FILM
Zahlreiche Dokumente im PDF-Teil:
1 Broschürenumschlag
2 Drehberichte
3 Zensurkarte
4 Filmheft/Programm
5 Premieren Einladung
6 Rezensionen
7 Film Plakat
8 Freigabe des Plakates
9 Fotogalerie
10 Screenshots
11 Quellen

Inhaltsübersicht

DAS ALTE GESETZ
1. Vorspann
2. Um 1860 in einem Schtetl in Galizien: Das Purimfest
3. „Ich muss dich etwas fragen, Esther.“
4. Wanderschmiere: ein Romeo mit Judenlocken
5. Einladung an den Habsburger Hof
6. Bei Heinrich Laube, Direktor am Wiener Burgtheater
7. Ein neuer Einfall der Erzherzogin
8. Der Abend des Versöhnungsfestes…und die Hamlet-Premiere
9. „Auch wir sind Sklaven eines alten Gesetzes.“
10. Das Pessachfest in der Heimat
11. Shakespeare-Lektüre
12. Umkehr und Versöhnung

Credits
Regie: E.A. Dupont

Produktionsland: D
Produktionsjahr: 1923
Pressestimmen

“Eine absolut lohnenswerte, wie immer sorgsam editierte Veröffentlichung!” Celluloid

“Geschichte wiederholt sich, wenn auch in veränderter Form – zu dieser Erkenntnis kann man einmal mehr bei der Ansicht des Stummfilms “Das alte Gesetz” kommen. Der Film aus dem Jahre 1923 schildert den Werdegang eines Juden, Sohn eines Rabbiners aus einem galizischen Schtetl, von einem verträumten jungen Mann zum gefeierten Burgschauspieler in Wien. Es ist ein Werk über Ausgrenzung und Assimilation, über Antisemitismus und Vorurteile." Deutsche Welle

“Eines der Glanzstücke der Retrospektive!” EPD Film

“Die bei absolut Medien erschienene DVD verfügt über Untertitel in mehreren Sprachen und bietet vielfältige Extras. Neben einem 24-seitigen Booklet mit einem Essay Cynthia Walks zum historischen Hintergrund, dem Kontext und der Rezeption des Films sowie Beiträgen zur digitalen Restaurierung und den beiden neuen Filmmusiken von Philippe Schoeller bzw. Donald Sosin und Alica Svigals verfügt die DVD auch über einen rund 90-seitigen pdf-Teil. Dieser enthält neben einem Drehbericht, einer Zensurkarte, dem Programmheft zur Premiere, Rezensionen der Premiere und dem Filmplakat auch eine Fotogalerie und Framescans der restaurierten Fassung. Dazu kommen zwei jeweils rund 15-minüitge stumme Features. Das eine bietet eine Einblicke in die Dreharbeiten in der Stummfilmzeit, das andere vermittelt einen Eindruck von der großartigen digitalen Restaurierung, indem Szenen aus verschiedenen teils schwer beschädigten Kopien den perfekt restaurierten Szenen gegenübergestellt werden.” kultur-online.at

“Der Film ist ein Glücksfall!” Die Deutsche Bühne

Film-Kurier, Nr. 244, 30.10.1923

(…) E. A. Dupont hat auf dieser Basis ein recht geschmackvolles Bilderbuch gemacht, das die Schaulust des Zuschauers befriedigt, ohne ihr allzu große Konzessionen zu machen.

Selbst die bei der Anlage des Ganzen unvermeidliche Versöhnungsszene am Schluß, in der der alte Rabbiner, nachdem er seinen Sohn als Don Karlos gesehen, erkennt, daß es ein Irrwahn ist, einen Menschen, der ein Recht zur Verwirklichung seines inneren Gesetzes hat, unter das Joch eines alten Gesetzes beugen zu wollen, vermeidet alle aufdringliche Sentimentalität, die hier sehr nahe lag.

Es gelingt Dupont, die Atmosphäre der so verschiedenen Welten dieses Films sichtbar zu machen: das Ghettomilieu, das durch eine nahezu unübersteigbare Mauer von der Welt da draußen getrennt ist und diese Welt selbst; die hier anschaulich gemacht wird durch das Wien der sechziger Jahre, das getragen wird von den Rhythmen der Walzer eines Johann Strauß und dem das Burgtheater den Inbegriff aller Kunst schlechthin bedeutet.

Was Dupont gibt, ist eine Plauderei in Bildern, von Sentiment und beschwingtem Bildhumor, die durch Feinheiten im Detail stark interessiert, eine Plauderei, die doch nie zum Geschwätz wird. (Denn man kann nicht nur im Wort, sondern auch im Bilde geschwätzig sein.)

Was die Schauspielerregie betrifft, so ist es Dupont hier gelungen, ein Ensemble zu schaffen. Selbst Henny Porten fügt sich ohne Starallüren in den Rahmen. Ihre Erzherzogin ist um so charmanter, als sie diesmal ihren Charme nicht unterstreicht, ihr Humor um so liebenswürdiger, da er den Schein des Unbewußten auszulösen vermag. Uns selbst im Gefühlsausdruck bleibt sie in den Grenzen, die der Stil des ganzen Filmwerks erheischt.

Ernst Deutsch in der männlichen Hauptrolle löst die Illusion des bedeutenden Künstlers aus, was in diesem Falle alles bedeutet.

Avrom Morewski, den man sich von der Wilnaer Truppe in Warschau verschrieben hat: Sein Rabbiner hat nicht nur die ethymologische, sondern was wichtiger ist, die seelische Echtheit. Ein leidender Mensch ist dieser Rabbi, der sich durch Leiden zur Erkenntnis durchringt. Nicht zuletzt durch ihn werden die Szenen im Ghetto zu einem visuellen Erlebnis.

Robert Garrison stellt einen Schnorrertyp, der wie aus alten jüdischen Genrebildern in diesen Film versetzt zu sein scheint.

Hermann Vallentin gibt als Heinrich Laube seine bisher stärkste Filmleistung. Das ist in jedem Zuge der brummige Polterer, hinter dessen Rauheit sich Gutmütigkeit verbirgt, als der Laube in der Tradition fortlebt. Da ist eine Szene, in der der junge Schauspieler ihm vor Antritt des Engagements Probe sprechen muß, während Laube sein Frühstück einnimmt. Und in der Art, wie er die Kaumuskeln bewegt, reflektiert sich der Eindruck, den der Vortrag in ihm erweckt. Ein glänzender Regieeinfall, ein Meisterstück physiognomischen Könnens.

Jakob Tiedke (eine amüsante Striese-Figur), Grete Berger, Fritz Richard, Margarete Schlegel, Alice Hechy, füllen ihren Platz. Der Film kann als Prototyp eines kultivierten Unterhaltungsfilms gelten.

Lichtbild-Bühne, Nr. 44, 3.11.1923

(…) Uralter Konflikt zwischen Vätern und Söhnen, alter und junger Generation – wie oft schon diente er als dichterischer Vorwurf, auch im Film, ja ganz besonders auch im Judenfilm. Meinerts “Glaubensketten” eröffneten den Reigen und “Das alte Gesetz” schließt ihn – für heute. Wie schön hat Paul Reno diesen dankbaren Stoff verarbeitet! Wie glücklich läßt er die starr-beschränkte, tief in sich gekehrte, grüblerische Welt des Ghettos kontrastieren mit der sprühend lebensfrohen des glänzenden Alt-Wiens der sechziger Jahre, die enge Gelehrtenstube des alten Rabbi mit der rauschenden Pracht des österreichischen Hofes, den stillen Gottesfrieden des Tempels mit dem lauten, geschäftigen Bühnentreiben des Hofburgtheaters unter Laubes Direktion.

Versunken sind diese glänzenden Zeiten, die nur noch die ganz Alten unter uns gekannt haben. Und doch … müssen sie nicht gerade so ausgesehen haben, diese Sonnenmenschen des alten Wien, ist das nicht Laube, wie er leibt und lebt, ist das nicht die fröhliche Erzherzogin Elisabeth Theresia mit dem warmen Menschenherzen? Wir glauben sie unbedenklich der großen Kunst ihrer Darsteller, die Kabinettstücke geliefert haben. Nie sahen wir Hermann Valentin besser, seit langem Henny Porten nicht mehr so gut. Und wie gern möchten wir die “Henny” noch viel, viel öfter sehen, gerade in diesen Rollen, die ihrem Charme ebenso liegen, wie ihrem tiefen Gemüt.

Geblieben dagegen sind die Zeiten des Elends und der Not, geblieben noch immer der gequälte Ostjude und ihn haben wir gesehen im Grau seines Ghettos. Hier brauchen wir nicht gläubig hinzunehmen, wir können vergleichen … und können sagen: Richtig so! Goldecht, lebenswahr, bis auf kleinste Nuancen der Natur abgelauscht; nicht nur von dem Ostjuden Avrom Morewski (Rabbi), glänzend im Spiel und Maske, sondern besser fast noch von Robert Garrison, der den weltweisen kleinen Schnorrer mit soviel Herz und entzückendem Humor hinstellte (und wie nahe lag gerade hier possenhafte Übertreibung!). Groß und stark auch Ernst Deutschs Leistung als junger Stürmer; nur ein allerletztes fehlte, um uns auch seelisch warm werden zu lassen. Rein äußerlich als junge Jüdin nicht recht am Platze Margarete Schlegel, trotz verinnerlichten Spiels. Das Schmierenvolk lustig und treffend persifliert durch Jacob Tiedtke, Olga Limburg und die bildhübsche Alice Hechy.

Und nun Duponts Regie: Gewiß, er hat Fehler begangen durch Längen und Breiten. Aber wie verzeihlich sind sie! Muß man nicht unwillkürlich liebevoll haften bleiben an der Schilderung dieses Milieus, die nötig ist, um tieferes Verständnis zu erwecken? Mit ein paar Scherenschnitten sind diese Mängelchen zu beseitigen. Und wie sind sie ausgeglichen durch hinreißende Regiefeinheiten, wundervoll gesehene Bilder und eine Dezenz der Linienführung, die bei der Heikligkeit des Themas nicht immer leicht gewesen sein mag. (…)

Bedanken kann er sich bei seinen technischen Mitarbeitern. Ganz wundervoll und stilecht die Bauten von Junge und Kahle, geschmackvoll und zeitwahr Huberts Kostüme, eine Glanzleistung deutscher Photographie aber Sparkuhls Aufnahmen. Nicht umsonst ist er auf dem Zettel auch für die Beleuchtung verantwortlich gemacht worden, sie stellt selbst höchstwertige Arbeiten seiner tüchtigen Kollegen in den Schatten und zeugt von reifer, empfindender Kunst! Der Herstellerfirma, Comedia-Film, ist ein großer Wurf gelungen. An ihren sicheren Erfolgen wird auch der deutsche Verleih des “Lloyd-Film” teilhaben … und mit ihnen das Kinogewerbe.

DVD
lieferbar
€ 14,90


Best. Nr.: 3012
ISBN: 978-3-8488-3012-1
EAN: 978-3-8488-3012-1

Länge: 135
Bild: PAL, viragiert
Ton: Dolby Stereo
Sprache: Deutsch (Zwischentitel)
Untertitel: Englisch, Französisch, Litauisch, Russisch, Polnisch, Ungarisch und Ukrainisch
Regionalcode: codefree

Label: ARTE Edition
Edition: ARTE EDITION
Reihe: Stummfilm
Rubrik: Spielfilm
Genre: Drama


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