Film | GOTTES ZERSTREUTE FUNKEN - JÜDISCHE MYSTIK BEI PAUL CELAN

GOTTES ZERSTREUTE FUNKEN - JÜDISCHE MYSTIK BEI PAUL CELAN

Regie: Rüdiger Sünner

Wie ist ein Gott zu denken, der die Existenz des Bösen in seiner Schöpfung zulässt? Wo ist sein Licht angesichts all der Finsternis in der Welt? Hat sich Gott schon am Anfang der Schöpfung zurückgezogen, um deren freie Entwicklung nicht zu gefährden? Begann nicht schon der Uranfang der Schöpfung mit einer Katastrophe, in der die ersten Seinsformen zerbrachen und uns einen kosmischen Scherbenhaufen hinterließen? Von solchen Gedanken der Kabbala war der jüdische Dichter Paul Celan tief berührt. Nach dem Holocaust, dem seine Eltern zum Opfer fielen, konnten er an keinen allgütigen und allmächtigen Gott mehr glauben. Doch es blieb die Idee von den zerstreuten göttlichen Lichtfunken, die wir immer noch aufspüren und einsammeln können…

Die Kabbala-Studien Gershom Scholems und der von Martin Buber überlieferte Chassidismus übten einen großen Einfluss auf das spirituelle Weltbild Paul Celans aus. Eine filmisch noch nie dargestellte Seite des Dichters der »Todesfuge«:

Für Paul Celan war seine Heimat, die Bukowina, »eine Landschaft, in der ein nicht unbeträchtlicher Teil jener chassidischen Geschichten zu Hause war, die Martin Buber uns allen wiedererzählt hat.« Celan war fasziniert von den dort ausgedrückten Ideen von Zimzum, Shevirat Ha Kelim und Tikkun Olam. »Zimzum« besagt, dass Gott sich zu Beginn der Schöpfung zurückgezogen habe, um dem Menschen eine freie Entwicklung zu ermöglichen. Die dennoch von ihm zur Unterstützung ausgesandten dünnen Lichtstrahlen waren immer noch zu mächtig und so zerbrachen die ersten »Gefäße« der Schöpfung in Millionen von Splittern und Funken (»Shevirat Ha Kelim«). Seither ist Gottes Licht als Vielzahl von Funken verstreut über die Welt und harrt selbst in Steinen, Wasserlachen und Gewächsen auf seine Wiederherstellung (»Tikkun Olam«).

Für Celan eine bildgewaltige negative Theologie, die auch nach dem Holocaust bestehen konnte. Der Film Gottes zerstreute Funken versucht zu zeigen, wie Celans Poesie in vielen Variationen versucht, diese verstreuten Funken einzusammeln und ihre Würde zu bewahren.

Ein spannendes Radiogespräch mit Rüdiger Sünner:
http://www.evolve-magazin.de/radio/gottes-zerstreute-funken-juedische-mystik-bei-paul-celan/

Buch, Kamera, Regie, Schnitt: Rüdiger Sünner
Mitarbeit: Christine Klie, Martin Spura
Erzählerstimme: Rüdiger Sünner
Interpretation Celan-Texte: Hans-Peter Bögel
Musik: Turmalin
Besonderen Dank an: Bertrand Badiou | Eric Celan | ASTORIA-STIFTUNG |
Rudolf- und Clara Kreutzer-Stiftung | Pädagogische Forschungsstelle beim
Bund der Freien Waldorfschulen Stuttgart | Christian Boettger | Hansjörg
Hofrichter | Edith Maryon-Stiftung | Stiftung Rosenkreuz | DRP Rosenkreuz
Verlag | Natalia Preston

Extras

Booklet

Inhaltsübersicht

Kapitel
1. Schnee in der Ukraine
2. Bruch der Gefässe
3. Buber, Scholem, Kabbala
4. Kindheit in Czernowitz
5. Todesfuge
6. Die göttlichen Funken
7. Bahndämme, Ödränder
8. Adorno
9. Bremer Rede
10. Bei der »Gruppe 47«
11. Corona
12. Paris
13. Der Meridian
14. R efugium Bretagne
15. Die Magie der Steine
16. Antisemitismus
17. Die Goll-Affäre
18. In der Psychiatrie
19. Im Heideggerland
20. Sag, dass Jerusalem ist
21. Die letzten Wochen
22. Abspann

Credits
Buch: Rüdiger Sünner, Christine Klie, Martin Spura
Kamera: Rüdiger Sünner
Musik: Turmalin
Regie: Rüdiger Sünner
Schnitt: Rüdiger Sünner

Produktion: Rüdiger Sünner
Produktionsland: D
Produktionsjahr: 2016
Pressestimmen

“Lyrik ist Mystik.” Paul Celan

Ein spannendes Radiogespräch mit Rüdiger Sünner:
http://www.evolve-magazin.de/radio/gottes-zerstreute-funken-juedische-mystik-bei-paul-celan/

»Die Aufmerksamkeit, die das Gedicht allem ihm Begegnenden zu widmen versucht, sein schärferer Sinn für das Detail, für Umriß, für Struktur, für Farbe, aber auch für die ›Zuckungen‹ und die ›Andeutungen‹, das alles ist, glaube ich, keine Errungenschaft des mit den täglich perfekteren Apparaten wetteifernden (oder miteifernden) Auges, es ist vielmehr eine aller unserer Daten eingedenk bleibende Konzentration. ›Aufmerksamkeit‹– erlauben Sie mir hier … ein Wort von Malebranche zu zitieren –,>Aufmerksamkeit ist das natürliche Gebet der Seele.‹«
Paul Celan, aus: »Der Meridian«

DVD
lieferbar
€ 14,90


Best. Nr.: 4053
ISBN: 978-3-8488-4053-3
EAN: 978-3-8488-4053-3
FSK: Infoprogramm

Länge: 67
Bild: PAL, Farbe, 16:9
Ton: Dolby Stereo
Sprache: Deutsch
Regionalcode: codefree

Label: absolut MEDIEN
Rubrik: Dokument
Genre: Biografie/Porträt


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